August

Naturspektakel Nord – Norwegen

Guten Sonntag!

Endlich klappt es mal wieder mit WLAN. Nach einer wundervollen zweiwöchigen Reise durch die Natur Nordnorwegens erreichen wir in der südlichen Hälfte Norwegens so langsam mal wieder etwas, was man ‚Zivilisation‘ nennen kann. Aber fangen wir doch von vorne an …

Nachdem wir auf den zweiten Versuch erfolgreich in Norwegen angekommen sind, war die Euphorie und Freude ohnehin schon groß. Aber die baumlose, kühlkarge Landschaft der norwegischen Finnmark auf unserem Trip zum Nordkapp hat uns zusätzlich baff gemacht. Von einigen Campern hört man, dass sich eine Reise zum Nordkapp nicht lohnt. Die leere und karge Landschaft haue jetzt nicht sonderlich um und am Ende stehe man „nur“ am Nordkapp. Bestätigen konnten wir dies überhaupt nicht: unsere Kinnladen klappten regelmäßig beim Anblick der Landschaft herunter und oft sind wir zum Fotografieren stehengeblieben. Manchmal fragt man sich, was andere für Erwartungen haben … aber vielleicht ist das so, wenn man aus dem Süden Norwegens kommt und schon die wahnsinnig schönen Fjorde, Berge und Seen gesehen hat. Da kann es schonmal sein, dass man sich von der „öden“ Landschaft nicht mehr so beeindrucken lässt. Und die lange Fahrt muss es einem auch wert sein! Wer erwartet, dass das Nordkapp nur noch einen Katzensprung weg ist, wenn man schon die Lofoten erreicht hat, der sei hier bitter enttäuscht.

Wie auch immer – für uns war die Reise zum Nordkapp ein einmaliges Erlebnis. Wir sind überglücklich, dass wir überhaupt nach Norwegen reisen durften (das war dann doch insgeheim ein kleiner Reisetraum). Und mit unserem stetigen Streben in den Norden hat der nördlichste Punkt Europas ja dann auch eine emotionale Bedeutung. Vor lauter Begeisterung hält man dann auch gerne mal ein paar Tage die zapfigen Temperaturen von maximal 7 °C und den sehr schnellen und häufigen Wetterwechsel aus. Wir sind sehr froh, uns die Zeit genommen zu haben und befinden uns jetzt offiziell wieder auf dem Weg in den Süden. Natürlich haben wir aber noch einige Zeit, das Land zu sehen und machen nicht einen einfach Heimweg daraus. Die Zeit, die wir haben, nutzen wir auch!

Im Großen und Ganzen bewegen wir uns auf der Europastraße 6 immer weiter in den Süden und machen den ein oder anderen Abstecher. Unsere Fahrtzeiten sind in Norwegen auf jeden Fall länger geworden als zum Beispiel im Baltikum, aber das erklärt sich von selbst bei einem Blick auf die Landkarte: Norwegen ist einfach riesig! Aber mit Hörbüchern, Podcasts, Musik ist das gar kein Thema. Auch die Landschaft ist einfach ganz toll! In den Lyngenalpen sind wir dann aber dochmal für eine Wanderung zum Steindalen-Gletscher stehen geblieben. Die war wirklich schön und Flaki hat sich sogar auf ein Bad im Gletschersee eingelassen. Nächstes Ziel war dann die „Hauptstadt der Arktis“, Tromsø. Ein schönes Städtchen, zudem anscheinend nördlichste Unistadt der Welt oder so. Leider haben wir etwas den Überblick verloren, weil ungefähr alles da oben das nördlichste seiner Art ist (Fischerdorf, Surferhotspot, Golfplatz, u.v.m.). Was uns an Tromsø außerdem sehr gefallen hat, ist sein Hausberg. Den kann man entweder mit einer Seilbahn oder Stufe für Stufe über eine lange Steintreppe erklimmen. Oder man kann – wie wir – den Weg nicht finden und so ungefähr den steilsten Aufstieg am Hang bewältigen. Zum Glück ist der Berg nicht so hoch und wir konnten das als geübte Wanderer im Voralpenland gut wegstecken. Der Ausblick auf die Stadt, die übrigens auf einer Insel liegt, ist auf jeden Fall super!

Ein weiterer Norwegen-Hotspot, der uns mehrmals sehr empfohlen wurde und den wir nicht verpassen wollten, sind die Lofoten. Auch wir können uns nach knapp einer Woche Aufenthalt den Empfehlungen nur anschließen. Vom Festland kommend sind wir etappenweise die fünf Hauptinseln abgefahren und waren ganz beeindruckt von der Szenerie. Ich (Andrea) habe bis zum Schluss manchmal nicht glauben können, in der Realität und nicht in einer Postkarte oder Naturdokumentation zu sein. Die einzigartige Mischung aus Meer, schneeweißen Sandstränden mit türkisklarem Wasser, imposanten Bergen und den idyllischen Fischerdörfern zog auch uns in einen besonderen Bann und ist definitiv eine Reise wert! Für die Rückreise haben wir uns dann für eine Fährfahrt aufs Festland entschieden, woraus dann eine kleine Odysee wurde: Weil unsere eigentliche Fähre (Abfahrt 20:30 Uhr) einen technischen Defekt hatte, musste eine andere Fähre von einer Insel kommen (die brauchte aber drei Stunden), um uns zu holen. Was macht man denn drei Stunden am Fährhafen, wenn es schon spät, kalt und dunkel ist? Richtig, man stellt sich auf ein Bierchen mit anderen Campern zusammen und hat einen lustigen Abend! Um 23:00 Uhr war die Fähre dann da, um 3:00 Uhr morgens sind wir dann bei Bodø leicht fertig ins Bett gefallen. Hat aber alles gut geklappt!

Seitdem sind wir – wieder auf der E6 – etwas schneller unterwegs und mittlerweile in Trondheim angekommen. Die Zeit rast und bis in 3-4 Wochen wollen wir ja wieder Zuhause sein. Aber wer meint, wir wären auf einer Hetzjagd, den dürfen wir enttäuschen: Wenn man alles in Norwegen ansehen will, hat man es selbst nach sechs Monaten wahrscheinlich immer noch nicht geschafft. Dementsprechend stressfrei picken wir die für uns interessantesten Punkte heraus und fahren ganz entspannt die Route ab. 3 Wochen sind schließlich immer noch länger als die meisten regulären Urlaube. Und das ist es was wir jetzt noch bewusst machen, auch wenn es wieder heimwärts geht: Urlaub!

Das Wetter passt übrigens auch super dazu – bis auf einen kompletten Regentag auf den Lofoten ist es trocken und in den letzten Tagen scheint sogar herbstlich warm die Sonne. Beste Voraussetzungen also! Wir genießen jetzt erstmal Südnorwegen und melden uns dann bald wieder.

Macht’s gut,

Andrea und Flaki